Hinter den meisten Unsicherheiten steckt die Frage: Warum so viele Spritzen? Mütterliche Antikörper schützen anfangs und beeinträchtigen zugleich die Impfwirkung. Sie nehmen bei jedem Tier zu einem anderen Zeitpunkt ab. Eine einzelne frühe Impfung kann daher nicht zuverlässig schützen. Die Serie soll den Zeitpunkt erfassen, ab dem das Tier wirksam reagieren kann.
So kennzeichnen wir Belege
- Durch Quelle belegtDirekt in der zitierten institutionellen Veröffentlichung angegeben.
- Unsere redaktionelle EmpfehlungVorsichtige Auslegung der Daten für eine Betreuungsentscheidung, kein validiertes klinisches Protokoll.
- BeleglückeIn unseren zugelassenen Quellen nicht bestätigt; deshalb haben wir keine Zahl erfunden.
Die virale Basisimpfserie
Für DAP bei Welpen — Staupe, Adenovirus, Parvovirus — und FVRCP bei Kätzchen — Panleukopenie, Herpesvirus-1, Calicivirus — empfiehlt WSAVA 2024:
- Beginn mit 6–8 Wochen
- Wiederholung alle 2–4 Wochen
- Letzte Dosis der Anfangsserie mit mindestens 16 Wochen; bei hohem Risiko kann eine Fortsetzung bis 18–20 Wochen sinnvoll sein
- Erneute Impfung mit oder kurz nach 26 Wochen, um Tiere zu erfassen, die zuvor nicht reagiert haben
8, 12 und 16 Wochen veranschaulichen einen Vierwochenabstand. Das ist ein Beispiel, keine Verordnung. Tierheimprotokolle, örtlicher Infektionsdruck und konkreter Impfstoff verändern den Plan.
Welpen
Virale Basisimpfungen: AAHA nennt mindestens drei Kombinationsdosen zwischen 6 und 16 Wochen im Abstand von 2–4 Wochen, gefolgt von einer Dosis innerhalb eines Jahres nach der Anfangsserie.
Leptospirose: AAHAs Aktualisierung 2024 stuft sie für alle Hunde als Basisimpfung ein: zwei Dosen im Abstand von 2–4 Wochen ab 12 Wochen, dann jährlich. WSAVA betrachtet sie als Basisimpfung, wo die Krankheit endemisch, relevante Serogruppen bekannt und geeignete Impfstoffe verfügbar sind. Die AAHA-Empfehlung ist regional, keine globale Regel.
Bordetella, Influenza, Borreliose: abhängig von Exposition und Region.
Tollwut: Zeitpunkt und gesetzliche Anforderungen unterscheiden sich je nach Rechtsgebiet. Kläre dies mit einer Tierarztpraxis an deinem Wohnort; hier entscheidet neben Medizin auch das Recht.
Kätzchen
FVRCP: AAHA/AAFP 2020 empfiehlt Beginn frühestens mit 6 Wochen, Wiederholung alle 3–4 Wochen bis 16–20 Wochen und das Erwägen einer erneuten injizierbaren Kombinationsimpfung mit sechs Monaten.
FeLV: Basisimpfung für Katzen unter einem Jahr. Beginn ab 8 Wochen, zwei Dosen mit 3–4 Wochen Abstand und vorherigem FeLV-Antigentest. Erneute Impfung 12 Monate nach der Anfangsserie, dann nach Exposition neu bewerten. WSAVA nennt FeLV als Basisimpfung für junge Katzen in Regionen mit endemischer FeLV-assoziierter Erkrankung.
Tollwut: nach Produktzulassung und örtlichem Recht.
Zwei Irrtümer: Wohnungskätzchen bräuchten keine Impfungen, und der FVRCP-Termin mit sechs Monaten schließe zugleich FeLV und Tollwut ab. Dafür gelten getrennte Indikationen und Zeitpläne.
Innere Parasiten
Mercks Beispiel zur Spulwurmkontrolle beginnt früher als oft erwartet, mit zwei Wochen, und behandelt die säugende Mutter gleichzeitig.
| Tierart | Zeitplan |
|---|---|
| Welpen | Ab 2 Wochen alle 2 Wochen bis 3 Monate, danach monatlich bis 6 Monate |
| Kätzchen | Ab 2 Wochen alle 2 Wochen bis einschließlich 12 Wochen, danach monatlich bis 6 Monate |
Achte auf: schlechtes Wachstum, geblähten Bauch, Würmer in Erbrochenem oder Kot, Durchfall, blasses Zahnfleisch oder dunklen Kot.
Floh- und Zeckenmittel
Es gibt kein einheitliches Mindestalter für alle Floh- und Zeckenmittel. Prüfe vor der Anwendung zugelassene Tierart, Wirkstoffe, Darreichungsform, Mindestalter und -gewicht laut Etikett, aktuelles Gewicht und bereits verabreichte Mittel.
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Nach einer Impfung
Was die Handlungshinweise bedeuten
- Sofortiger Notfall —
- Tiernotdienst kontaktieren und sofortige Untersuchung organisieren. Nicht auf die nächste geplante Mahlzeit oder Wiegung warten.
- Jetzt zur Einschätzung anrufen —
- Beim Bemerken des Zeichens die Tierarztpraxis anrufen. Sie entscheidet, wie schnell das Tier untersucht werden muss.
- Heute Kontakt aufnehmen —
- Beim Bemerken des Problems Kontakt aufnehmen und einen Zeitpunkt vereinbaren. Das bedeutet nicht, bis abends zu warten.
Sofortiger Notfall
Jetzt zur Einschätzung anrufen
Kätzchen
Knoten an der Injektionsstelle: die „3-2-1“-Regel. Abklären lassen, wenn ein Knoten 3 Monate bestehen bleibt, größer als 2 cm ist oder 1 Monat nach der Injektion noch wächst. Ein einziges Kriterium genügt.
Dies betrifft Untersuchung und Biopsie. Nicht jeder kleine Knoten nach einer Spritze ist deshalb ein Notfall.
Häufige Missverständnisse
- „Eine Impfung bedeutet vollen Schutz.“ Gerade die Störung durch mütterliche Antikörper ist der Grund für die Serie.
- „Ein negativer Kottest schließt Parasiten aus.“ Siehe oben.
- „Kätzchen müssen immer mit drei Wochen erstmals entwurmt werden.“ Mercks Beispiel beginnt mit zwei Wochen.
Quellen
- WSAVA 2024 Vaccination Guidelines (PDF)
- AAHA Canine Vaccination Guidelines — Core and Noncore Recommendations
- AAHA Canine Vaccination Guidelines — Updated
- AAHA Postvaccination Adverse Events and Reactions
- AAHA / AAFP Core Vaccines for Pet Cats
- AAHA / AAFP Adverse Postvaccination Reactions
- Merck Veterinary Manual Roundworms in Small Animals
- Merck Veterinary Manual Gastrointestinal Parasites of Dogs
- Cornell Feline Health Center Fleas